Unser Tansania-Projekt: Schulpartnerschaft mit der Bishop Moshi Secondary School in Marangu, East-Kilimanjaro District
Begrüßung am 12.10.2007 vor der Schulassembly:
Als Unesco-Projektschule orientiert die Wilhelm-Raabe-Schule ihr Schulleben innerhalb und außerhalb des Unterrichts in besonderer Weise an den Ideen der internationalen Verständigung und Zusammenarbeit sowie des interkulturellen Lernens. Dazu unterhält sie Kontakte und Partnerschaften zu ausländischen Schulen.
Auf der Gesamtkonferenz im Juni 2006 wurde der Beschluss gefasst, eine neue Schulpartnerschaft zur Bishop Moshi Secondary School in Marangu, Tansania aufzubauen. Es handelt sich um eine weiterführende Schule für die Klassenstufen 8 – 11 im ländlichen Bereich Tansanias, jedoch im entwickelteren Norden des Landes gelegen. Die nächsten wichtigen Städte sind Moshi in etwa 40 km und die bekannte Konferenzstadt Arusha in etwa 140 km Entfernung. Zwischen Arusha und Moshi liegt der Kilimanjaro-Airport als internationaler Flughafen.
Diese Nord-Süd-Schulpartnerschaft verfolgt gemäß der Agenda 21 das Ziel, Schüler, Schülerinnen und Lehrkräfte unterschiedlicher Kulturkreise zusammenzubringen, in einen wechselseitigen Dialog zu treten, von- und miteinander zu lernen und gleichzeitig durch solidarisches Handeln zur Entwicklung im Distrikt East-Kilimanjaro in Tansania beizutragen.
Die Bishop Moshi Secondary School hat 245 Schülerinnen und Schüler, 11 Lehrkräfte und 8 sonstige Mitarbeiter. Sie nimmt Schüler im Alter ab 14 Jahren auf, die die 7-jährige Grundschulzeit absolviert haben. Sie ist eine Sekundarschule mit „ordinary level“ als Tagesschule (kein Internat), in der nach 4 Jahren Abschlussprüfungen mit zentral gestellten Aufgaben abgelegt werden. (Den „advanced level“, der 2 weitere Schuljahre vorsieht und zum Universitätsstudium berechtigt, erreicht diese Schule nicht. Er wird nur von ganz wenigen Sekundarschulen im Lande angeboten.)
Vom 11.10. – 2.11.2007 reiste eine Delegation, bestehend aus den Projektleitern Karsten Riggert und Annette Spangenberg sowie 4 SchülerInnen, zum Antrittsbesuch nach Marangu.
Die Vorbereitung auf die Fahrt erfolgte innerhalb der Gruppe in den wöchentlichen Sitzungen, die ein Dreivierteljahr vor der Reise begannen, durch persönliches Studium von Materialien durch jeden Einzelnen, durch Besuch von Veranstaltungen (Ausstellung „Blickwinkel Afrika“ im Lüneburger Wasserturm, vorgestellt von Marion Rolle) und durch ein mehrstündiges, sehr intensives Seminar mit Dr. Müsing aus Hamburg zu den kulturellen Verschiedenheiten zwischen Deutschland und Tansania am 30.5.2007. Darüber hinaus waren Mitglieder der AG am 4.11.2007 in der Kreuzkirchengemeinde Kiel zum alljährlichen Erfahrungsaustausch der Tansaniainitiativen anwesend.
Die begleitenden Lehrer führten außerdem ausführliche Gespräche mit anderen deutschen Schulen, die bereits seit längerer Zeit Partnerschaften zu tansanischen Schulen unterhalten.
Diese Vorbereitung hat sich während der Reise ausgezahlt.
Hervorzuheben ist etwa die besondere Bedeutung der Gastgeschenke: Hier waren wir bestens ausgestattet und hatten für (fast) jeden, auch unvorhergesehenen Anlass ein kleines Präsent bereit. Ebenso waren wir recht gut vorbereitet auf kleinere Redebeiträge und Grußwörter, die bei diversen Veranstaltungen plötzlich eingefordert werden konnten. Ein gewisses (notwendiges!) Gespür für die unzähligen Möglichkeiten, in ein „kulturelles Fettnäpfchen“ zu treten, war uns durch die Vorbereitung gut vermittelt worden, wozu z.B. auch die „Rolle der rechten Hand“, die Kleiderfrage, der Umgang mit Kritik, der Umgang mit Aids und vieles andere mehr zählt. Im Land selbst wurde uns in besonderem Maße klar, wie wichtig eine angemessene und intensive Vorbereitung und Einstimmung auf eine solche Reise ist. Wir waren sehr froh, dass wir uns im Vorhinein so gründlich mit vielen Dingen auseinandergesetzt hatten.
Der Verlauf dieser ersten Reise war insgesamt sehr erfolgreich; die in die Reise gesetzten Erwartungen wurden voll erfüllt. Beide Partner haben dabei einander recht gut kennen gelernt. Die deutsche Delegation hat bereits einen vertiefenden Eindruck vom Leben der Partner, ihrer jeweiligen Situation, ihren Schwierigkeiten und Hoffnungen vermittelt bekommen. Die Verständigung auf englisch war auf der Ebene der Lehrkräfte tadellos. Die afrikanischen Schülerinnen und Schüler beherrschen die englische Sprache insoweit, dass ein guter Gedankenaustausch möglich ist, allerdings häufiger zurückgefragt werden muss. Sie sind im ersten Anlauf nicht immer sofort zu verstehen. Über die sprachliche Verständigung hinaus war der Gedankenaustausch fruchtbar und von Interesse und Sympathie geprägt. Dies gilt auch für die Verantwortlichen auf höherer Ebene. Der Besuch hat in jedem Fall Mut gemacht, die Partnerschaft fortzusetzen.