Wilhelm-Raabe-Schule
Feldstraße 30
21335 Lüneburg
T: 04131-7 50 30
F: 04131-7 50 324

Dienstag, 07.09.2010, 18:35 Uhr


1. Unesco-Schule


Link zur Bundeskoordination

Die unesco-projekt-schulen sind ein Teil der UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation.
In mehr als 100 Städten verteilt über die gesamte Bundesrepublik findet man sie: die etwa 160 UNESCO-Projektschulen zwischen Flensburg und Überlingen am Bodensee, zwischen Heinsberg und Frankfurt an der Oder. Weltweit sind es etwa 7500 in fast allen 191 Mitgliedstaaten der UNESCO. Sie sind ganz "normale" Schulen mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Auf dem Stundenplan stehen die Einhaltung der Menschenrechte, kulturelle und Umweltbildung und der gerechte Ausgleich zwischen Arm und Reich. Ob Grund- oder berufsbildende Schule, Gymnasium oder progressiver Schulversuch, staatliche Regelschule oder Pri-vatschule - jeder Schultyp des deutschen Bildungssystems ist als UNESCO-Projektschule vertreten. Die Aktionen, Projekte und Ideen sind bunt und vielfältig.

In Niedersachsen gibt es momentan 19 unesco-projekt-schulen, davon 2 in unserer Nähe, die Hauptschule Stadtmitte in Lüneburg und die Schule Marienau in Dahlem.
Nicht jede Schule erhält die Bezeichnung "UNESCO-Projektschule". Voraussetzung hierfür ist unter anderem die Verpflichtung zur kontinuierlichen Mitarbeit im UNESCO-Schulnetz. Die Schule muss glaubhaft machen, dass sie das Ziel der UNESCO - die Erziehung zu internationaler Verständigung und Zusammenarbeit - in all ihren schulischen und außerschulischen Bereichen - aktiv unterstützt.
" Wir sind ein Netzwerk zur interkulturellen Bildung und setzen uns ein für eine Kultur des Friedens: Menschenrechte, Toleranz, Demokratie, Interkulturelles Lernen, Umwelt, Globale Entwicklung."

So beginnen die Leitlinien für die unesco-projekt-schulen.
Die UNESCO-Projektschulen orientieren sich an folgenden Grundsätzen:

  • Sie schaffen ein grenzüberwindendes Netzwerk von Schulen aller Schulstufen, -arten und -formen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Schul- und Kultusbehörden.

  • Das Schulleben gestalten sie im Sinne der internationalen Verständigung und des interkulturellen Lernens.

  • Sie sind offen für neue Ideen und vernachlässigte Themen und nehmen innovative Impulse von Schülern, Lehrern und Eltern auf. Sie kooperieren mit anderen Schulen, Bildungseinrichtungen, Kommunen und interessierten Personen oder Organisationen in der Region.

  • Sie versuchen die Ziele der UNESCO mit ihren Mitteln zu verwirklichen. Im Bewusstsein der Einen Welt setzen sie sich für eine Kultur des Friedens ein: Umsetzung der Menschenrechte, Bekämpfung der Armut und des Elends, Schutz der Umwelt und Toleranz gegenüber Anderen.

  • Sie beteiligen sich am internationalen Netzwerk, indem sie Verbindungen herstellen und Begegnun-gen ermöglichen - zum Beispiel durch Schulpartnerschaften oder durch internationale Seminare, Camps und Austauschprogramme.


Diese sehr allgemein gehaltenen Begriffe müssen mit Leben gefüllt werden, das ist das große Ziel aller Aktivitäten von unesco-projekt-schulen. So findet jede Schule ihr eigenes Profil und ihre eigenen Schwerpunkte.

2. Umsetzung der Unesco-Idee in der WRS


Ausgangspunkt der Hinführung der WRS zur unesco-projekt-schul-Idee war das Jahr 1998, als das Projekt "Begegnung mit der Republik Südafrika" mit dem 1. Platz beim Jugendwettbewerb "Halt` die Welt im Gleichgewicht" und dem niedersächsischen Schülerfriedenspreis ausgezeichnet wurde. 25 Schüler und Schülerinnen und ihre begleitenden Lehrkräfte hatten an verschiedenen Schulen in den Provinzen Eastern Cape, Gauteng und North West Workshops in den Bereichen Politik, Ökologie, Theater und Musik durchgeführt. In King William`s Town (Eastern Cape) kam es aus diesem Anlass vier Jahre nach der formalen Beendigung der Apartheid in Südafrika zum ersten Mal zu einer Kooperation zwischen einer ehemals weißen Mädchenschule, der Kaffrarian High School, der überwiegend von Farbigen besuchten Breidbach Secondary School und der rein schwarzen Hector Peterson Secondary School. Den Gegenbesuch nach Lüneburg gestalteten die drei Schulen 2003 als Inter-Schools Society of Culture from the Eastern Cape. (Zur Fortsetzung des Kontakts nach Südafrika s. 2.2.1)
Seit 2003 als „mitarbeitende“, seit 2005 als anerkannte unesco-projekt-schule bündelt die WRS die verschiedenen schulischen Aktivitäten unter dem Dach des Unesco-Gedankens.

Das besondere Engagement der WRS im Bereich

  • (2.1.) Mensch und Umwelt

  • (2.2.) Verständigung der Völker und interkulturelles Lernen sowie

  • (2.3.) einer Kultur der Toleranz und des Friedens und der

  • (2.4.) Erziehung zu Verantwortung und Selbstständigkeit


soll in Beispielen dargestellt werden:


2.1. Mensch und Umwelt

Die AG "Energie und Umwelt" der WRS betreibt seit 1993 kontinuierlich aktiven Klima- und Umweltschutz. So wurde der Heizenergieverbrauch (witterungsbereinigt) um etwa 30%, der Stromverbrauch um ca. 50% reduziert, was eine jährliche CO2-Reduktion von 90t bzw. 18,6t bedeutet. Realisiert wurden diese Erfolge durch ein Bündel von Maßnahmen:
Auf der technischen Seite wird durch ein ausgeklügeltes Energiemanagement bedarfsgerecht geheizt und auf der Nutzerseite das Verantwortungsbewusstsein gezielt geschult (Wahl von Energiemanagern in allen Klassen). Bereits vor mehreren Jahren hat die WRS mit der Stadt Lüneburg einen Vertrag ausgearbeitet, gemäß dem der Schule ein Teil der eingesparten Energiekosten wieder ausgezahlt wird. Die WRS wurde in dieser Hinsicht Modellschule für die Region, denn einige Jahre später wurde dieses Konzept auf alle beteiligungswilligen Lüneburger Schulen ausgeweitet.

Als neues Aufgabenfeld der AG kam seit 1997 der Selbstbau von Solaranlagen auf dem Schuldach hinzu. Diese Anlagen erzeugen umweltfreundlichen Strom und speisen ihn ins Netz ein. Sie sind komplett in Eigenarbeit aufgebaut und durch Geld aus gewonnenen Wettbewerben sowie Sponsorengelder und Zuschüsse der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sowie der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung finanziert worden. Die Solaranlage der WRS produziert nun 11,5 kW, die Deckungsrate des Stromeigenbedarfs beträgt circa 20%. Eine weitere Aufstockung der Solaranlage ist aufgrund ausgenutzter Dachressourcen sowie aus Denkmalschutzgründen nicht möglich. Deshalb besteht die Arbeit der AG ab 2006 in der technischen Optimierung und Erhaltung der Anlage (siehe auch 2.2.2).
Neben der Errichtung der Solaranlage stellt auch die Erziehung zum aktiven Umweltschutz einen Schwerpunkt an der WRS dar. Zum dritten Mal wurde 2007 ein Umweltwettbewerb durchgeführt, der zum Ziel und z.T. auch zum Ergebnis ein gestärktes Bewusstsein für die Vermeidung von Ressourcenverschwendung (Energiesparen, Mülltrennung) und für Mitverantwortung in Sachen Sauberkeit im Schulgebäude hatte.

2.2 Interkulturelles Lernen

Die WRS engagiert sich seit Jahren im Sinne einer internationalen Verständigung der Kulturen. Sie ermöglicht Begegnungen und interkulturelles Lernen durch Schulpartnerschaften, Austauschprogramme und Informationsveranstaltungen (Aula-Café), dies auch in Kooperation mit der Stadt Lüneburg im "Agenda-21-Arbeitskreis Nord-Süd" sowie mit interessierten Personen und Organisationen der Region - als Schule, die sich nach außen öffnet.
Um die Spannbreite des Engagements der WRS deutlich zu machen, sei einerseits auf die jahrzehntelange Unterstützung der Vorschul-Organisation Edutak in der Republik Südafrika hingewiesen, die Vorschulpädagogen ausbildet und Vorschulkindergärten in der Nähe Pretorias einrichtet und betreut, andererseits auf die Präsentation der Internetzeitung "Boukra" (Buchmesse 2004 in Frankfurt, Didakta 2005 in Stuttgart) im Rahmen des Unesco-Vorhabens "Europäisch-arabischer Dialog".
Schließlich gelingt es der Schule immer wieder, ihre Schüler und Schülerinnen für soziale Dienste im Ausland zu motivieren, beispielsweise in der Republik Südafrika, in Indien und in Nepal, die dann ihrerseits für die Fortsetzung dieses Engagements in Veranstaltungen in der Schule informieren und motivieren.

2.2.1 Partnerschaft mit Südafrika

Zum Beginn: s.o.
Im Jahre 2007 wurde die Partnerschaft mit den drei Schulen in King Williams Town durch einen erneuten Besuch einer Schülergruppe weiter geführt. Auch dieses Projekt wurde auf nationaler Ebene ausgezeichnet: es erhielt den Titel eines „Offiziellen UN-Dekadeprojekts Bildung für nachhaltige Entwicklung“ für das Jahr 2007/2008.
Im Jahre 2010 soll es zum Gegenbesuch der SchülerInnen aus Südafrika kommen. Es ist daran gedacht, gemeinsame Workshops zum Jahresthema „Unser Handeln – unsere Zukunft“ durchzuführen.

2.2.2 Partnerschaft mit Tansania

Als Unesco-Projektschule orientiert die Wilhelm-Raabe-Schule ihr Schulleben innerhalb und außerhalb des Unterrichts in besonderer Weise an den Ideen der internationalen Verständigung und Zusammenarbeit sowie des interkulturellen Lernens. Dazu unterhält sie seit 2006 aufgrund eines einstimmigen Konferenzbeschlusses eine Partnerschaft zu einer Schule im Norden Tansanias.
Diese Partnerschule ist die Bishop Moshi Secondary School in Marangu, District East-Kilimanjaro. Es handelt sich um eine weiterführende Schule für die Klassenstufen 8 – 11 im ländlichen Bereich Tansanias, jedoch im entwickelteren Norden des Landes gelegen. Die nächsten wichtigen Städte sind Moshi in etwa 40 km und die bekannte Konferenzstadt Arusha in etwa 140 km Entfernung. Zwischen Arusha und Moshi liegt der Kilimanjaro-Airport als internationaler Flughafen.
Diese Nord-Süd-Schulpartnerschaft verfolgt gemäß der Agenda 21 das Ziel, Schüler, Schülerinnen und Lehrkräfte unterschiedlicher Kulturkreise zusammenzubringen, in einen wechselseitigen Dialog zu treten, von- und miteinander zu lernen und gleichzeitig durch solidarisches Handeln zur Entwicklung im Distrikt East-Kilimanjaro in Tansania beizutragen.
Die Bishop Moshi Secondary School hat 245 Schülerinnen und Schüler, 11 Lehrkräfte und 8 sonstige Mitarbeiter. Sie nimmt Schüler im Alter ab 14 Jahren auf, die die 7-jährige Grundschulzeit absolviert haben. Sie ist eine Sekundarschule mit „ordinary level“ als Tagesschule (kein Internat), in der nach 4 Jahren Abschlussprüfungen mit zentral gestellten Aufgaben abgelegt werden. (Den „advanced level“, der 2 weitere Schuljahre vorsieht und zum Universitätsstudium berechtigt, erreicht diese Schule nicht. Er wird nur von ganz wenigen Sekundarschulen im Lande angeboten.)
Im Herbst 2007 war eine 6-köpfige Lehrer-Schüler-Delegation vor Ort zum Antrittsbesuch.
Reisebericht mit Bildergalerie

Die Gruppe erkannte, dass sich die Bishop Moshi School bereits seit längerem sehnsüchtig die Erweiterung zur Internatsschule wünscht. Zunächst wird vor allem ein Schlafsaal für Mädchen vordringlich gebraucht, um auf dem Land lebenden Jugendlichen überhaupt eine Bildungsbasis zu ermöglichen. Beide Schulen schlossen ein Abkommen, den Bau dieses Mädchenschlafsaals zu einem ersten gemeinsamen Projekt beider Schule zu erklären.
Im August 2009 wurde zu diesem Zweck ein Sponsorenlauf an der WRS durchgeführt, an dem etwa 700 Schülerinnen und Schüler beteiligt waren und der einen Erlös von knapp 25.000 € für das Projekt erbrachte.
Für das Engagement auf diesem Gebiet (wie auch für Gomel und Edutak) wurde unsere Schule bereits 2008 mit dem 1. Preis des bundesweit ausgeschriebenen Sharety-Award ausgezeichnet : „Auf beeindruckend durchdachte Weise kombiniert die Wilhelm-Raabe-Schule die nachhaltige Hilfe für arme, benachteiligte und kranke Menschen mit dem Erwerb von Technik-Knowhow und Umweltschutzmaßnahmen“ – und erhielt ein Preisgeld von 10.000 €.

2.2.3 Austausch mit Brasilien

Im Jahr 2004 erfolgte erstmals der Austausch der WRS mit dem Colegio Cruzeiro in Rio de Janeiro - dies geschah in Kooperation mit der unesco-projekt-schule Hauptschule Stadtmitte. Im Sommer 2005 besuchten sieben Schüler und Schülerinnen und zwei Lehrkräfte aus Rio die WRS, der Gegenbesuch von zehn Schülern der WRS fand im Herbst statt. Die Schüler lebten drei Wochen in den jeweiligen Gastfamilien, nahmen am Unterricht teil und erlebten ein breit gefächertes interkulturelles Programm. Dabei lernten die Schüler auch die Schattenseiten des Daseins in Brasilien damals und heute kennen: in Kaffeeplantagen und Bergwerken, die früher mit Sklavenarbeit betrieben wurden, und beim Besuch einer Kinderkrippe für allein erziehende Mütter aus dem Favela-Milieu. Ähnlich wie Edutak in Südafrika soll nun die Kinder-Creche Irma Paula in der Nähe des Schulgebäudes des Colegio Cruzeiro in Rio unterstützt werden.
Im Jahre 2007 wurde der Kontakt durch erneute Austausch-Begegnung fortgesetzt.

2.2.4 Austausch mit Japan

Im Dezember 2004 besuchten drei Schüler aus Japan die WRS; in den Sommerferien 2004 waren 17 Schüler der WRS nach Naruto eingeladen, um am Kulturfestival der Oberschulen Japans in Tokushima teilzunehmen. Sie führten höfische Tänze auf, nahmen am Unterricht teil und lebten einen Tag lang in japanischen Familien.

Im Oktober 2005 erfolgte der Gegenbesuch. 20 Schülerinnen und Schüler aus Naruto besuchten mit ihrem Direktor und drei Lehrern Lüneburg. Es gab vielfältige Möglichkeiten zu Begegnungen und zum Austausch. Besonders anregend war der feierliche Kulturabend in der Aula der WRS, bei dem die japanischen Gastschüler einen traditionellen Awa-Odori-Tanz aufführten und unseren Schülern das Trommeln auf der großen Taiko erlaubten

Eine Schülerin schloss einen halbjärigen Aufenthalt in Naruto an diese Erfahrungen an.

2.2.5 Austausch mit Schweden

Der Schwedenaustausch besteht schon seit 30 Jahren. Zuerst waren zwei Schulen beteiligt, das Brännkyrka- und das Södra Latins Gymnasium in Stockholm. Durch die veränderten Abiturbedingungen in Schweden sank jedoch das Interesse an der deutschen Sprache, so dass das Brännkyrka-Gymnasium seit einigen Jahren nicht mehr am Austausch teilnimmt. Der Schüleraustausch findet in der 10./11. Klasse statt und dauert jeweils eine Woche. Die Teilnehmer lernen das Leben in den Familien kennen, die Unterschiede im Denken und Verhalten, im Essen und im Tagesablauf.

Im außerschulischen Programm treffen die deutschen Schüler in der Altstadt Stockholms, Gamla Stan, auf viele Zeugnisse deutsch-schwedischer Beziehungen aus dem Mittelalter.

2.2.4 Austausch mit Weißrussland

Seit 1995 ist die Schulpartnerschaft mit Gomel/Weißrussland fester Bestandteil des Lebens in der WRS. Gomel liegt in der 1986 durch den Reaktorunfall in Tschernobyl stark verstrahlten Zone. Durch regelmäßige Sammelaktionen von Schülern der WRS wird die Region, z.B. in der Finanzierung einer Mess-Station, unterstützt. Im Rahmen eines WRS-Stipendiums werden jährlich 3-5 Stipendiaten aus einer Schule mit Deutschunterricht in Gomel nach Lüneburg eingeladen. Die Jungen und Mädchen gehen in der WRS zur Schule, sie bekommen noch zusätzlichen Sprachunterricht und wohnen bei Schülern der WRS.

2006, 20 Jahre nach dem Reaktorunfall, wurden 12 Schüler und eine begleitende Lehrkraft zu einer themenorientierten Begegnung "Die Stadt im Wandel - vom Mittelalter bis zur Neuzeit" nach Lüneburg eingeladen.

Die Arbeit für das Messstationen-Projekt wurde 2008 mit dem 1. Preis des Sharety-Award ausgezeichnet (s. 2.2.2)

2.2.5 Sprach-Austausche mit Frankreich und England

Seit 1978 hat die Wilhelm-Raabe-Schule eine Partnerschule in Frankreich. Dies war zunächst ein Collège in Clamart (Lüneburgs Partnerstadt), ab 1983 das Collège St. Justin in Levallois (Großraum Paris). Jedes Jahr findet ein Schüleraustausch statt: Schüler der 9. Klassen fahren nach Levallois, deren Partner, Schüler des "troisième", kommen nach Lüneburg.

Die Partnerschule der WRS in England ist The Beauchamp College in Leicester. Ein Austausch mit Schülerinnen und Schülern dieser staatlichen comprehensive school fand erstmals 1999 statt, nachdem die langjährige Partnerschaft mit einer Schule in Winterton bei Scunthorpe zu Ende ging. Jährlich erfolgt ein wechselseitiger Austausch mit Schülern der 10. Klassen.


2.3. Kultur der Toleranz und des Friedens

Die WRS ist bemüht, die Ziele der Unesco mit ihren Mitteln zu verwirklichen, sich für eine Kultur des Friedens und der Toleranz in der Schule selbst sowie in der lokalen Agenda und im Bewusstsein der Einen Welt einzusetzen, ideell und materiell die Umsetzung der Menschenrechte und die Minderung der Armut und des Elends zu unterstützen.
Das Schulprogramm zitiert einen Appell Dr. Robert Brendels an die Abiturienten des Jahrgangs 1930:
"Arbeiten wir mit daran, dass Sie eine Zukunft verwirklichen helfen, in der Gemeinschaft, Humanität und schöpferische Einheit des Lebens selbstverständliche Grundlagen allen Daseins sind." (s. 2.3.2)
Dieser Appell gilt auch heute noch. So beginnt die Schulordnung der WRS mit den Worten: "In der Wilhelm-Raabe-Schule bemühen sich SchülerInnen, LehrerInnen und MitarbeiterInnen um freundliche und respektvolle Zusammenarbeit und ein friedliches Miteinander. Dabei achten Ältere auf Jüngere und Stärkere und Schwächere. (...)"
Entscheidungsprozesse innerhalb der Schule finden in Gesamtkonferenzen und Schulvorstand in enger Kooperation mit der Schüler- und Elternvertretung statt.

2.3.1 Mediation

Seit 1999 werden Schüler an der WRS zu Mediatoren ausgebildet. Mediation ist eine moderne Art der Konfliktbewältigung. Ziel der Mediation ist es, die Streitenden in einem Gespräch wieder zu versöhnen und nach den Ursachen des Streites zu suchen. Neben regelmäßigen Schülersprechstunden übernehmen die Mediatoren auch Patenschaften für Klassen der Unterstufe. Sie tragen - auch mit außerschulischen Aktivitäten - dazu bei, den Wechsel von der Grundschule zum Gymnasium zu erleichtern und die Klassengemeinschaft zu stärken.

2.3.2 TuWas AG - Bewegungswerkstatt für Menschenrechte

Die TuWas-AG wurde als Reaktion auf den 11.September 2001 an der WRS gegründet. Die Schüler mahnten an, nicht Menschen, in diesem Falle muslimisch oder arabisch aussehende Menschen, zu diskriminieren und auszugrenzen. Die WRS wurde "Schule ohne Rassismus" mit Frau Prof. Dorothee Sölle als Patin.

Auf die schlimmen Folgen des NS-Rassismus weist die WRS in einer kleinen Ausstellung im Erdgeschoss der Schule hin. Sie erinnert an das Schicksal ihres ehemaligen Lehrers Dr. Robert Brendel, der von 1919-1934 an der Schule unterrichtete und im April 1934 wegen seiner oppositionellen politischen Einstellungen zunächst zwangsversetzt und 1936 nach §6 des neuen Berufsbeamtengesetzes wegen seiner Ehe mit einer jüdischen Frau zwangspensioniert wurde. Es wird dargestellt, wie mit zunehmender Verfol-gung die Familie Brendel immer mehr in gesellschaftliche Isolation geriet. 1945 gelingt es Robert Brendel seine Frau, die einen Deportationsbefehl für den letzten Transport nach Theresienstadt erhalten hat-te, zu retten. Beide sind von den Jahren der Verfolgung schwer gezeichnet.

Die Schüler der TuWas-AG beschäftigen sich mit Menschenrechtsthemen in vielfältiger Weise und versu-chen im Kleinen Veränderungen zu bewirken. So haben sie in den letzten Jahren eine Ausstellung "Menschenrecht - Glücklichsein" und ein interaktives Projekt zur Weihnachtszeit "Gedanken als Geschenke" gestaltet. Sie arbeiteten an einer Broschüre "…, weil jeder anders isst!", also an einem interkulturellen Kochbuch, und führten zum 20. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl eine Ausstellung und eine Diskussionsrunde als Aula-Café durch.


2.4. Erziehung zur Verantwortung und Selbstständigkeit

Die WRS ermutigt ihre Schüler in Unterricht, Arbeitsgemeinschaften und außerschulischen Aktivitäten zu eigenständigem und verantwortungsbewusstem Handeln. Dies erfolgt im Sinne einer Erziehung zur Offenheit gegenüber dem Neuen, die der jungen Generation dazu verhelfen soll, ihr Leben und ihre Umwelt innovativ und zukunftsfähig zu gestalten.

Besonders deutlich wurde die Eigeninitiative der Schüler z.B. in der Organisation und Durchführung der Projektwoche "Schule als Staat" (2005) und in der Gründung von Schülerfirmen.


3. Unesco-Arbeit im fächerübergreifenden Unterricht


Da die Umsetzung der Unesco-Leitlinien an der WRS bisher vorrangig in den AGs und Projekten erfolgte, strebt sie nun darüber hinaus ein fächerübergreifendes und fächerverbindendes Konzept an, um die Grundsätze der Unesco in den Unterricht stärker zu integrieren. Zurzeit wird an der Entwicklung von Unterrichtssequenzen in verschiedenen Klassenstufen gearbeitet. Denkbar sind z.B. Themen wie "Die Eine Welt", "Menschenrechte", "Diskriminierung", "Der Mensch und die Natur", die in Projektform und/oder projektähnlicher Form unterrichtet werden können. So soll durch jahrgangsweise festgelegte Themen ein Curriculum entstehen, das das Bewusstsein der Schüler für die Verantwortung in der Einen Welt stärkt, sie zu engagierten Menschen in einer Kultur des Friedens reifen lässt und sie für umweltpolitische Fragestellungen im Sinne der Nachhaltigkeit sensibilisiert.


4. Die WRS im Netzwerk der ups


Bereits als mitarbeitende unesco-projekt-schule hat die WRS sehr gute Erfahrungen mit der Kooperation der unesco-projekt-schulen Hauptschule Stadtmitte, Marienau und Lüchow im Kreis Lüneburg sowie der unesco-projekt-schulen in Niedersachsen gemacht. Mehrere Projekte wurden gemeinsam geplant und durchgeführt, z.B. die Veranstaltungen 2004 zum Unesco-Projekttag "Wasser" sowie im Mai 2005 zum Thema "60 Jahre Kriegsende in Lüneburg". Für das Jahr 2010 ist eine gemeinsame Workshoparbeit zum Thema „Unser Handeln – unsere Zukunft“ geplant.


4.1. Tanz-Projekt "Wohin gehst Du? - Schritte in die Zukunft"

2005/2006 nahm die Wilhelm-Raabe-Schule in Zusammenarbeit mit den anderen unesco-projekt-schulen der Region Ost-Niedersachsen seit dem zweiten Halbjahr des Schuljahres am Tanzprojekt "Wohin gehst Du? - Schritte in die Zukunft" teil.

Die Tanzszenen werden von je 25 Schülerinnen und Schülern der unesco-projekt-schulen jeweils in den verschiedenen Schulen einstudiert.

"Wohin gehst Du? - Schritte in die Zukunft": Damit waren zum einen Tanzschritte und zum anderen die Entwicklungsschritte der jungen Menschen gemeint.

"Wohin gehst Du? - Schritte in die Zukunft" war ein pädagogisches Innovationsprojekt und ganz besonders auf Nachhaltigkeit angelegt. Das Tanzprojekt ist ein Baustein für Veränderungen, die uns die Zukunft abverlangt. Es formierte ein temporäres Netzwerk mit klarer Struktur und eindeutiger Zielvorgabe. Es bündelte Energien und führte unter dem Dach der UNESCO im Rahmen der Kooperation zwischen unesco-project-schulen, Theater, Musikschule, Lichtdesign und der Universität kreative Kräfte in der Region Lüneburg zusammen. Es wurde ein "Kraftwerk" mit Langzeit-Ausstrahlung und Breitenwirkung, ein Akzent zu kultureller "Basisarbeit.


4.2. Projekt "B o u k r a", Internetzeitung im europäisch-arabischen Dialog

Die Internetzeitung "Boukra" (Morgen oder Zukunft) resultiert aus einer Initiative der Deutschen Unesco-Kommission zum europäisch-arabischen Dialog. Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule, des International College in Beirut und des Institute Moderne du Leban in Beirut recherchierten jeweils eine Woche im Libanon und in Deutschland zu Themen, die die Jugendlichen interessierten. Es entstand eine Internetzeitung mit über 70 Artikeln und einem reichen Bildarchiv. Das nächste Ziel ist, gemeinsame Recherchen an den politischen Institutionen der EU in Brüssel, Straßburg und Luxemburg durchzuführen.



Infos:

Aktuelle Stundenpläne
Hier finden Sie/ findest Du den aktuellen Stundenplan Ihrer/ Deiner Klasse oder Jahrgangsstufe

Klausurenpläne Q1/Q2
Hier finden Sie die Klausurenpläne für

Q1
und
Q2


Nächste Termine:
07.09., 20:00: Sitzung des Schulelternrats
09.09., 16:00: Dienstbesprechung
09.09., 17:30: Gesamtkonferenz